Donnerstag, 25. Juli 2002
Tag 9: Pasubio von unten und oben
Posina - Colle Xomo - Passo Fugazze - Rif. Gen. A. Papa

Start: 09:15 Uhr - Stop: 14:30 Uhr - Kilometer: 25 km - Höhenmeter: +1500 hm (+900 hm zu Fuß) / -150 hm - Schnitt: 6,5 km/h - Fahrzeit: 4 h
Ein unruhige Nacht liegt hinter uns. Alle halbe Stunde hat mich der Glockenturm aus dem Schlaf gerissen, grausam.
Aber heute liegt lediglich die Auffahrt auf den Pasubio vor uns, das ist nicht allzuviel.
Dort oben wollen wir uns zu Fuß die Strada del Galleria ansehen.
Wir decken uns in Posina (548 m) mit Verpflegung ein und rollen ein kleines Sträßchen
hinauf Richtung Colle Xomo (1058 m). Immer wieder bieten sich romantische Blicke zurück
auf Posina. Kurz vor dem Pass leeren wir einen Brunnen,
der an diesem sonnigen Morgen sehr willkommen ist, und machen bei Colle Xomo ein ausgedehntes
Frühstück. Eigentlich beginnt hier die direkte Auffahrt zum Pasubio, die Elmar
aus dem letzten Jahr schon kennt. Deswegen nehmen wir die Variante über den
Passo Fugazze (1162 m), bei der wir den "Hügel" erst ein wenig umrunden und
dann von Süden her bergan fahren. Das kostet uns etwa 150 zusätzliche Höhenmeter und
ein kurzes Stück auf der unangenehmen Passstraße zum Fugazze. Auf diesem Stück
können wir hoch oben bereits unsere Unterkunft erkennen, die Rifugio Gen. A. Papa (1934 m).
Man muss sehr genau hinsehen, um sie zu erblicken, es liegen auch noch 1000 hm dazwischen und
es sieht nach einer Menge Arbeit aus.
Ab dem Fugazze fahren wir wieder über Schotter. Der Weg ist sehr flach und so geröllhaltig,
dass es extrem mühseelig ist, Höhenmeter gutzumachen. Wir machen noch eine kleine Mittagspause
mit unseren Reserven, schauen uns das uninteressante Treiben am Pass unter uns an, und fahren
dann jeder für sich, nur dem Schweinehund lauschend, den Berg hinauf. Auf der Strecke
plagen mich irgendwelche Flugtiere, die ähnlich aussehen wie Bremsen. Die Dinger sind so aggresiv,
dass sie genau auf den Mann zuhalten und mit nichts zu vertreiben sind. Ich bin leicht verzweifelt, denn
davon fahren ist auch nicht so einfach, wenn man sich im ersten Gang befindet.
Am ersten Tunnel treffe ich mich wieder mit Elmar. Hier sind die Biester verschwunden.
Der an sich kurze Tunnel ist ein echtes Erlebnis, auf
der Südseite haben wir noch schönes Sommerwetter, auf der anderen Seite herrscht dichtes Nebeltreiben.
Total krass, wie eine Wetterscheide.
Ein ziemlicher Kontrast zu dem warmen italienischen Klima unten im Tal.
Unsere Unterkunft ist nun nicht mehr weit.
Es ist sehr früh, als wir einchecken, so war es geplant. Wir machen uns direkt
wieder zu Fuß auf den Weg um die Strada del Galleria zu erkunden.
Das ist ein alter Muliweg, der zur Versorgung der Frontlinien auf dem Pasubio
im ersten Weltkrieg in den Fels
gesprengt wurde. Er besteht aus über 50 Tunneln, die teilweise sehr niedrig und steil sind.
Einige sind mehrere hundert Meter lang und nur mit einer Lampe oder
gehörigem Expeditionshunger zu durchqueren. Neben dem Weg geht es meistens mehrere hundert Meter
senkrecht nach unten. Fahrräder dürfen bei hoher Geldstrafe nicht einmal
schiebend mitgenommen werden, obwohl das von unten kommend durchaus Sinn machen würde.
Etwa 600 hm laufen wir
den Weg hinunter, bevor wir wieder kehrt machen. Das Ende wäre in der Nähe des Colle Xomo
Passes von heute Morgen. Am interessantesten sind die Tunnels, die oben einen Eingang haben, sich dann mehrere
Stockwerke im Fels nach unten schrauben und 20 m tiefer wieder ins Freie führen. Krass.
Während unserer Wanderung setzt sich das wechselhaft neblige Wetter fort. Genau dasselbe Wolkentreiben
hat Elmar im vergangenen Jahr schon erlebt. Auf dem Rückweg zur Rifugio regnet es sogar kurz.
Nach dem Abendessen kriechen wir noch einmal raus in die Abenddämmerung. Der Nebel hat
sich in die Täler zurückgezogen und die Sonne geht gerade unter. Wir wollen
noch auf den Gipfel des Pasubio, den Palon (2232 m). Bis wir oben sind
ist die Sonne verschwunden, aber uns bietet sich eine fantastische Aussicht in alle Himmelsrichtungen. Der Berg
überragt einfach alles um uns herum.
Überall finden sich noch Hinweise auf die unglaublichen Schlachten des Ersten Weltkriegs, die damit
endeten, dass sowohl Italiener als auch Östereicher den gesamten Gipfel durchbuddelten
und letztendlich in die Luft sprengten. Wir stöbern ziemlich lange zwischen Dente Italiano
und Dente Austriaco herum und machen eine Menge Fotos.
Als die Dunkelheit näher rückt, mache ich mich auf den Rückweg zur Unterkunft und gehe
Schlafen. Duschen gibt es in dieser Hütte keine.
Elmar taucht eine Ewigkeit nicht auf und ich mache mir ein wenig Sorgen. Es ist praktisch Mitten in der Nacht,
als er endlich im Lager erscheint. Er ist nur noch mit Glück ins Haus hinein gekommen, denn die
Eingangstür war bereits verschlossen und erst an einem Seiteneingang konnte er den Hüttenbetreiber
mit Klopfzeichen auf sich aufmerksam machen. Eine Nacht im Freien
wäre ungesund geworden. So geht ein sehr interessanter Tag zu Ende, auch wenn heute nicht
so viel Radfahren angesagt war.









