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Höhenprofil

Sonntag, 20. Juli 2003

Tag 4: Von einem Gletscher zum anderen

Gaislachalm - Tiefenbachferner - Vent - Martin Busch Haus - Similaun Hütte Streckenbeschreibung

Start: 8:45 Uhr - Stop: 19:45 Uhr - Kilometer: 38 km - Höhenmeter: +2200 hm / -1200 hm - Maximale Höhe: 3017 m - Schnitt: 6,3 km/h

Gletscherstraße zum Tiefenbachferner
Gletscherstraße zum Tiefenbachferner
Blick von der Gletscherstraße zurück Richtung Ötztal (hinten)
Blick von der Gletscherstraße zurück Richtung Ötztal (hinten)
Rettenbachferner (2650 m)
Rettenbachferner (2650 m)

Der zweite Tag das langen Anstiegs zur Similaunhütte beginnt. Natürlich nehmen wir nicht den direkten Weg, sondern packen noch einmal 1000 hm drauf und geben uns den Gletschertrail am Tiefenbachferner. Zuerst durchqueren wir oberhalb von Sölden auf einer Schotterpiste das Skigebiet und erreichen schließlich über einen kurzen Trail die Autostraße hinauf zum Gletschergebiet. Am Talende ist bereits die Eiswüste des Rettenbachferners (2650 m) zu sehen. Jeder fährt seine eigenes Tempo, bis wir nach 600 hm auf der Straße am Abzweig zum Rettenbachferner stehen. Eisige Winde wehen vom Gletscher herüber, der allerdings ordentlich unter der Hitze dieses Sommers zu leiden hat. Nach einer kurzen aber sehr erfrischenden Pause verschwinden wir gut eingepackt im Tunnel, der etwa 2 Kilometer durch den Berg hinüber Richtung Venter Tal an den Fuß des Tiefenbachferners führt. Er ist zum Glück beleuchtet, führt aber unerwartet steil bergauf und es ist bitterkalt.

Eisige Pause am Rettenbachferner (2650 m)
Eisige Pause am Rettenbachferner (2650 m)
Gletschertrail nach Vent (2)
Gletschertrail nach Vent (2)
Gletschertrail nach Vent (1)
Gletschertrail nach Vent (1)

Auf der anderen Seite des Tunnels wird am Tiefenbachferner (2739 m) sogar Ski gefahren, ein offensichtlich zweifelhaftes Vergnügen. Die kläglichen Schneereste sind supersulzig und bräuchten mal einen frischen Anstrich. Für uns beginnt jetzt der Endlostrail runter nach Vent (1895 m). Endlos ist er tatsächlich, aber leider nicht durchgängig fahrbar, weil zu verblockt. Es wird schnell klar, dass der Abstecher hier oben wesentlich mehr Zeit benötigt, als wir geplant haben. Die Landschaft und das Wetter sind allerdings fantastisch. Wo man hinsieht, schneebedeckte Gipfel weit jenseits der 3000er Marke. Hinten im Tal zeigt sich endlich auch Vent, aber es rückt einfach nicht näher.

Blick auf Vent (1895 m); links das Tal Richtung Similaun
Blick auf Vent (1895 m); links das Tal Richtung Similaun
Blick zurück auf Vent
Blick zurück auf Vent
Martin Busch Haus (2501 m)
Martin Busch Haus (2501 m)

In Vent ist es bereits Nachmittag, trotzdem müssen vor der Weiterfahrt erst mal die Nahrungsreserven aufgetankt werden. Elmar besorgt sich auch noch Batterien für seine Kamera, mit der er heute keine Fotos machen konnte, was ihn mächtig gewurmt hat. In der Hoffnung, dass er an der Similaunhütte noch etwas Zeit hat, um die Ötzifundstelle zu besichtigen, lässt er Alex, Ralph und mich beim Futtern in Vent zurück und macht sich alleine auf den immer noch 1000 hm langen Weg bis zur Similaunhütte (3017 m). Wir folgen etwa eine halbe Stunde später. Das Stück bis zum Martin-Busch-Haus (2501 m) lässt sich bis auf kurze Rampen ganz gut fahren und bietet immer mal wieder etwas Platz zum Luftholen. Eigentlich wäre es sinnvoll, hier zu übernachten, denn die Sonne neigt sich schon tief zu den Bergen hinunter und die verbliebenen Kräfte muss ich sorgfältig zusammenkratzen. Da die verlorene Strecke für die morgige Etappe problematisch wäre und Elmar ohnehin vorgefahren ist, beginnen wir den nun folgenden auf 2 Stunden angekündigten Fußmarsch. Nach dem Martin-Busch-Haus sind nämlich nur noch wenige Meter auf dem Bike zu bewältigen.

Gletscherwanderung
Gletscherwanderung
Fußmarsch zur Similaunhütte
Fußmarsch zur Similaunhütte

Etwas Erheiterung bringt ein altes, Yeti-ähnliches, vollbärtiges Männlein, das am Wegrand sitzt, als hätte es der Tourismusverband zur Unterhaltung der Wanderer dorthin gesetzt. Mit seinem etwas menschlicher wirkenden Begleiter wechseln wir ein paar Worte. Er kündigt uns einen beschwerlichen Weg an, aber wir können das Joch mit der Hütte am Horizont bereits sehen. Die Gegend sieht immer mehr aus wie eine Mondlandschaft. Wir hieven die Bikes über Geröllwüsten und stapfen durch Gletscherpampe, der sandige matschige Rest, der nach dem Abschmelzen des Eises übrig bleibt. Ganz verschwunden ist das Eis noch nicht, doch die Gletscherquerung am Niederjochferner ist fast das angenehmste Stück des ganzen Aufstiegs, da wir endlich nicht mehr über Geröll klettern müssen. Es ist zwar etwas rutschig, aber sonst ungefährlich. Ohne Schneeschicht über dem Eis verliert auch mein Respekt vor Spalten seine Wirkung. Die Sonne ist längst untergegangen, als wir mit ganz langsamen Schritten auf dem Zahnfleisch kriechend an der Hütte ankommen. Elmar war nicht mehr beim Ötzi, sondern sitzt mit den beiden Münchner Mädels von vorgestern in der vollgestopften Hütte. Die beiden sind heute in Vent gestartet (das war unser Feierabendprogramm). Mich plagen fürchterliche Kopfschmerzen, ob von der Anstrengung oder von der Höhe, ich weiß es nicht. Das Essen will kaum rein und so bleibt es mein einziger Abend, an dem ich mit 0 Promille in die Falle gehe.

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