Mittwoch, 1. September 2004
Tag 1: Durchs Rheintal
Lindau - Bregenz - Bad Ragaz - Chur

Kilometer: 105 km - Höhenmeter: +200 hm / -50 hm - Maximale Höhe: 565 m (Chur)
Wir haben die Nacht bei Matthias in Böblingen verbracht.
Es ist saukalt, als wir am Morgen aus dem Haus fallen. Trotzdem verspricht
das Wetter einen perfekten Tourstart. Die Sonne scheint und die Aussichten sind hammermässig.
Nachdem die vier Fahrräder auf dem Dach und im Kofferraum von Alexanders Schindler-Astra-Kombi verstaut sind, geht es
erwartungsvoll los. Als die ersten Berge sichtbar werden, gibt es kaum noch ein Halten.
Gegen 11 Uhr sind wir in Lindau und rollen
am Bodensee entlang in Richtung Bregenz über die österreichische Grenze.
An der Seebühne fallen wir für ein kleines Mittagessen in ein
Gartenlokal ein und spüren
das erste Mal die Exklusivität, den dieser ausgefallene Tourstart und die naheliegende Schweiz ausstrahlt,
... anhand der gehobenen Preise.
Aber man macht ja nicht jeden Tag eine Radtour über die Alpen.
Also Zeche zahlen und nicht weiter darüber nachdenken
Die Streckenführung des heutigen
Tages ist – kurzgesagt – stinkelangweilig. Da eine korrekte Alpenüberquerung in Deutschland starten muss,
blieb uns aus Zeitmangel nichts anderes übrig, als den Rheinradweg vom
Bodensee nach Chur für die erste Etappe in die Strecke mit aufzunehmen. So erreichen wir
kurz nach Bregenz die Schweiz. Wir lassen den See hinter uns und kommen
auf dem Radweg am Rhein schnell auf Tempo. Bei leichtem
Rückenwind gelingt es uns sogar eine Weile mit Tempo 40 an einem Rennradfahrer dranzubleiben,
was aber mächtig Körner kostet. Ich bin nach dieser Aktion jedenfalls ziemlich bedient,
also lassen wir es etwas gemütlicher angehen. Der Weg wechselt zu Beginn immer
wieder zwischen Teer und Schotter, bevor dann endgültig Asphalt die
Oberhand gewinnt.
Es war vorher klar, dass echte Höhepunkte auf der Strecke
Mangelware sein werden, aber ich war durchaus gespannt, wie dieser Teil des Rheins
aussehen mag (im Gegensatz zum Mittelrhein bei mir zu Hause).
Das Tal ist sehr breit und die Berge noch nicht richtig greifbar.
Der Fluss ist auf den ersten Kilometern zwar interessant, gehört aber schnell zum
gewohnten Begleiter, der keine Überraschungen bietet.
Landschaftlich macht sich schnell Ernüchterung breit.
Bereits nach der Hälfte unserer Tagesstrecke macht sich das monotone Sitzen auf dem Rad an meinem Arsch bemerkbar. Und nicht nur da, so ziemlich alles tut mir weh. Wie peinlich, wir fahren hier eine Kinderetappe und ich bin körperlich fast am Ende.
In Bad Ragaz darf sich der geschundene Körper endlich eine Weile erholen. Wir brauchen einen Supermarkt und eine Bank für Schweizer Franken. Diese macht aber genau vor meiner Nase zu, was Christian, der als einziger ein paar Fränkli hat, kurzhand zum unfreiwilligen Kassenwart für heute und für die nächsten Tage werden lässt.
Etwas gestärkt und erholt bewältigen wir in der späten Nachmittagssonne den Rest des Radweges und landen
in Chur. Ein Kurzer Blick auf die Karte und das vorreservierte Hotel Drei Könige ist gefunden.
Ein uriger alter Schuppen, der schon
einige Jahrhunderte auf dem Buckel hat. Mir gefällt es ganz gut, Alexander nicht so sehr.
Am alten Schindler-Fahrstuhl hat aber auch er seine Freude. Die winzige Kabine hat
keine eigene Tür und sie setzt sich beireits während des Knopfdrucks in Bewegung.




