Sonntwarag, 5. September 2004
Tag 5: Durchs Valtellina
Rifugio Val Viola - Passo Verva - Grosio - Le Prese - Val Rezzalo - Rifugio la Baita

Start: 8:15 Uhr - Stop: 16:30 Uhr - Kilometer: 58 km - Höhenmeter: +1700 hm / -2100 hm - Maximale Höhe: 2310 m (Rif. Val Viola) Schnitt: 10,8 km/h - Max: 62,5 km/h - Fahrzeit: 5:05 h
Die Nacht war in Ordnung. Es war wegen des Ofens im Zimmer zwar viel zu warm, aber ruhig. Nachdem der morgendliche
Andrang am WC überstanden ist, nehmen wir das nicht sehr abwechslungsreiche, aber ausreichende
Frühstück zu uns und zahlen die – im Vergleich zu Schweiz – brutal billige Zeche von
25 €. Alles zusammen eine empfehlenswerte Übernachtung, sofern man eine
wirklich Hütte erleben möchte.
Wir blasen das Val Viola hinunter, genießen dabei noch kurz den Blick auf die Gletscher an der Cima Viola und biegen bei den ersten Häusern auf einer Höhe von 1900 Metern ins Val Verva ab. Ab hier kenne ich die Strecke schon, da ich bereits 2001 über den Passo Verva (2301 m) gefahren bin. Im unteren Teil geht es brutal steil bergan und ich bin etwas enttäuscht, dass Christian und Matthias so schnell davon heizen. Man hat hier einen tollen Blick das weitere Val Viola hinunter bis zu den Torri di Fraele oberhalb von Bormio, von wo ich 2001 gekommen bin. Im Weiteren wird der Weg flacher aber extrem geröllhaltig, trotzdem lässt sich alles fahren. Man kann weit ins Tal hinein sehen, aber von den anderen beiden keine Spur. Erst auf der Passhöhe treffe ich sie wieder. Der Verva zählt nicht zu den spektakulären Pässen, dennoch ist er schön zu fahren und landschaftlich interessant.
Hinunter geht es genauso steinig weiter, wie auf dem Weg hinauf. Zahlreiche Wanderer begegnen uns,
aber schnelles Fahren ist ohnehin kaum möglich. Zu schnell war es dennoch, denn irgendwie ist der
Hinterreifen platt. Wie gut, dass Alexander seine Pumpe mit heimgenommen hat und
wir jetzt nur noch eine dabei haben. Die fährt natürlich etliche Meter vor mir bei Christian im Rucksack.
Zum Glück hört er mich und kehrt um. Der Reifen ist zwar schnell geflickt, aber ich habe mir bei der
Aktion offensichtlich eine Bremsscheibe verbogen, deren Schleiferei mich nun bis Riva verfolgen sollte.
Etwas gehemmt fahre ich nun weiter, denn noch einen Durchschlag will ich nicht riskieren. Bei der
nächsten Tour wird auf jeden Fall ein fetterer Schlappen montiert.
Im beschaulichen Eita (1703 m) hat das Gerüttel ein Ende. Wir füllen die Flaschen auf,
legen die Kette nach rechts und stürzen uns in die verbliebenen 1000 Höhenmeter Teerabfahrt
nach Grosio (656 m). Trails hin oder her,
so eine lange Straßenabfahrt bringt mich jedesmal in Begeisterung. Auch die Temperaturunterschiede sind bei
dem schnellem Höhenverlust beeindruckend. Viel zu schnell ist es vorbei und wir stehen mitten
im ziemlich geschlossen wirkenden Grosio.
Wir steuern auf direktem Wege die Pizzeria an, in der ich schon mal war, sie hat geöffnet.
Die Stärkung können wir brauchen,
denn das restliche Tagesprogramm kennt nur eine Richtung, nach oben.
Seit Kurzem ist im Tal eine neue Schnellstraße gebaut. Das kommt uns zu Gute.
Auf der kaum befahrenen alten Straße geht es wieder ein paar Kilometer nach Norden in Richtung Bormio,
bevor wir nach Osten ins Val Rezzalo abbiegen können. Das Val Rezzalo liegt
strategisch extrem günstig auf dem Weg zum Passo di Gavia, denn man kann sich so die
unangenehme Straße zwischen Bormio und St.Catarina sparen.
Allerdings bedeutet das einige Anstrengung, denn das Rezzalo türmt sich
als eine Wand voll Serpentinen vor uns auf.
Bei Le Prese (945 m) beginnt der Spaß. Erstes Sammeln ist in Frontale, das zweite
in Fumero (1465 m), wo auch die Teerstraße bald endet. War die Auffahrt bisher noch gemütlich,
wird es nun richtig fies. Eine supersteile Schotterpiste führt weiter durch den Wald, zusätztlich gespickt mit
vielen Wanderern. Stellenweise ist der Weg auch mit Steinplatten befestigt. Zum ersten Mal für heute
muss ich gelegentlich Schieben.
An der Rifugio la Baita (1866 m) sind wir die einzigen Gäste. Die Sonne scheint zwar noch, aber
es ist kalt. Wir Duschen, Waschen und essen Kaninchen mit Polenta. Nebenbei unterhalten wir uns noch mit dem
perfekt Deutsch sprechenden Wirt Alessandro und richten ihm Grüße
für
Andreas Albrecht
aus, der in zwei Tagen hier vorbeikommt. Wieder eine empfehlenswerte Übernachtung.









