Donnerstag, 13. Juli 2006
Tag 2: Diretissima am Hauptkamm
Zillertal- Mayerhofen - Zillergrund - Hundskehljoch - Ahrntal

Start: 8:15 Uhr - Stop: 19:45 Uhr - Kilometer: 64 km - Höhenmeter: +2050 hm / -1350 hm - Maximale Höhe: 2500 m - Schnitt: 9,7 km/h - Max: 56 km/h - Fahrzeit: 6:30 + X h - Temperatur: 13 - 37 C°
Der Gewitteregen hat sich komplett verzogen. Motiviert starten wir den Angriff
auf den Alpenhauptkamm. Zuerst geht es locker langweilg auf dem Zillertalradweg
dahin. Die ersten Schneeflecken des Zillertaler Hauptkamms sind
im Süden zu erkennen. Eigentlich will ich direkt zum nächstbesten Bikeshop und mir einen neuen Mantel
besorgen, aber viel schneller als erwartet erreichen wir Mayerhofen (658 m).
Dort erfahre ich, dass der größte Fahrradladen auf halber
Strecke in Fügen gewesen wäre.
Der erste Laden hier verkauft mir einen Mantel vom Typ Baumarkt, der so schmal und laberig ist,
dass ich ihn wieder zurückgebe. Beim zweiten Laden findet sich immerhin
ein Ritchey Z-Max. Zwar auch superschmal, aber immerhin kenne ich die Marke.
Da es nur das Vorderrad ist, montiere ich das Ding widerwillig. Vielleicht rollt
er ja gut.
Um an diesem Tag wenigstens in die Nähe des Hauptkamms zu gelangen, müssen wir
bis zum Mittagessen noch ein paar Meter schaffen. Bis zum Gasthaus in der Au
sind es etwa 600 hm. Teils auf der Straße, teils abseits auf einem alten Wanderpfad
drücken wir die Höhenmeter runter. Nun ist's aber Zeit für Kaloriennachschub
und einen Sonnernschirm. Im Gegensatz zu gestern
sind wir heute glücklich über etwas Schatten, um nicht
komplett zu verbrennen.
Vom Gasthaus fahren wir noch ein paar Meter in Richtung Zillergrund-Staumauer.
Dort folgen wir dem Hundskehlbach und biegen nach Süden
ab. Die Schotterpiste führt uns steil nach oben. Wir lassen die letzten Bäume hinter
uns und sind von immer mehr riesigem Geröll umgeben. Mit letzter Kraft scheint der Weg
die Zollhütte auf 1947 m zu erreichen. Ab dort kommen
wir nur noch mit Kampflinie vorran. Über riesige Steine ziehen sich die Markierungen
des Weges weiter nach oben. Es liegen noch gut 600 hm vor uns.
Auf allen
Alpentouren kam ich bisher immer irgendwie schiebend vorwärts. Hier geht das
definitiv nicht. Es bleibt nichts übrig, als das Rad zu schultern. Leider fehlt
uns dazu die perfekte Technik, aber vielleicht ist auch die Höhe Schuld. Nach
wenigen Meter vorwärts ist schon wieder eine Pause fällig. Und
das wiederholt sich knapp zwei Stunden lang. Sehr frustrierend.
Bei einer Bachquerung sucht jeder von uns seinen eigenen Weg. Ich
ziehe einfach meine Schuhe aus und wate durch die Fluten, während Alexander
weiter oben eine trockenere Möglichkeit findet. Ich denke, dass unsere Erfahrung
dafür gesorgt hat, dass wir bei den Strapazen unsere
Laune nicht verloren haben und trotzdem die extrem einsame Landschaft etwas
genießen konnten.
Es ist schon spät als wir das Hundskehljoch (2557 m) erreichen. Die letzten paar
Meter lassen sich sogar wieder fahren. Das sieht auf der anderen Seite
des Jochs wieder anders aus. Aber zunächst lasse ich den Blick über
das italienische Ahrntal schweifen, das quer vor uns liegt. Auf der anderen
Seite baut sich die Wand auf, die wir morgen an die Ochsenlenke
überqueren werden. Für die Abfahrt wählen wir den westlichen Weg 16. Ich habe auch gar
keinen anderen gesehen. Der Pfad ist zwar flach aber so verblockt,
dass sinnvolles Fahren im Prinzip nicht möglich ist. Erst nachdem wir den
Forstweg zu den Samhütten gekreuzt haben und dem
augeschilderten Pfad nach St. Peter (1366 m)
folgen, können wir wieder vernünftig fahren. Fahrtechnik ist dennoch von Nöten.
Der neue Vorderreifen ist zwar keine Wunderwaffe, aber er schlägt sich wacker.
Meine Sorgen bezüglich einer Übernachtung verfliegen sich noch bevor sie richtig aufkommen
können. Noch bevor wir die Hauptstraße erreichen, fliegen wir an der Pension
Waldhaus vorbei, bei der ich voll in die Eisen steige. Gerade
heute gibt es auch noch eine Übernachtung für uns. So ein Zufall.
Fahrräder unterstellen und auf direktem Weg das Menü in den Magen geschaufelt
und mit Rotwein runtergespült.
Die italienische Atmosphäre Südtirols ist bereits voll zu spüren.













