Sonntag, 16. Juli 2006
Tag 5: Von den Dolomiti d'Ampezzo ins Agordino
Dürrensteinhütte - Cortina d'Ampezzo - Cinque Torri - Rif. Averau - Alleghe - Falcade

Start: 8:30 Uhr - Stop: 18:30 Uhr - Kilometer: 84 km - Höhenmeter: +1725 hm / -2550 hm - Maximale Höhe: 2413 m Schnitt: 12,1 km/h - Max: 73,5 km/h - Fahrzeit: 6:50 h - Temperatur: 12 - 34 C°
Der heutige Tag könnte anstrengend werden, wenn wir meine Tourplanung
komplett umsetzen wollen, aber das Wetter passt wieder.
Glutrot erleuchten die Bergspitzen draußen, während wir uns startklar machen.
Auf dem Weg ins Tal nehmen wir den Trail, der immer wieder die Schotterpiste schneidet,
er ist gemütlich zu fahren und bringt uns den ersten Fahrspaß. Vor uns liegt das mächtige
Cristallo Massiv, das wir auch von der Hütte schon die ganze Zeit bewundern durften.
Viel zu schnell sind wir in Schluderbach (1451 m). Dort begeben wir
uns zum Bahnweg, einer stillgelegten Bahnstrecke nach Cortina d'Ampezzo. Dieser führt fast unbemerkt langsam nach oben
bis zum höchsten Punkt Cimabanche (1530 m). Immer wieder säumen verfallene
Bahnstationen die Piste. Der schöne Weg führt nun ebenso langsam und unspektakulär bergab.
Nur als die Strecke den Felizon Bach überquert wird es interessant. Eine alte
Bahnbrücke führt über die tief eingeschnittene Schlucht. Auf der anderen Seite
verschwindet der Radweg dann kurz im Berg. Danach fahren wir eine längere Zeit im Schatten und es ist
ausnahmsweise richtig frisch. Das letzte Stück vor Cortina
hat es den Weg außerdem arg mitgenommen. Unmengen an Murenabgängen gingen hier in den
letzten Jahren
herunter und mussten zur Seite geschafft werden. Es ist praktisch eine einzige
Geröllwüste.
Wir fahren nicht bis Cortina hinein, sondern wechseln an der
Ponte dera Sies (1283 m) auf die andere Talseite und kämpfen uns ein
kleine Teerstraße zum Lago Ghedina (1457 m) hinauf. Dieser traumhafte
kleine See ist echt einen Abstecher Wert. Richtig schön kitschig mit einem Ausfluglokal
dekoriert. Wir nutzen das Fleckchen und machen nochmal Frühstück. Das Sträßchen führt nun
noch locker ein paar Meter weiter durch den Wald und mündet in die Fahrstraße zum Ristorante
Pietofane. Ohne Schatten geht es eingerahmt
von Skiliften steil bergauf. In kürzester Zeit bin ich wieder am Anschlag.
Das Stück ist aber nur kurz.
Ich will den Weg 406 als Querverbindung zur Falzarego Passstraße
nehmen. Nach einigem Suchen haben wir den Weg zwar gefunden, aber nach wenigen Metern durch den Wald
ist bereits Schluss mit fahren. Schiebend geht ist nun fast 30 Minuten
über Geröllabgänge, um Bäume herum, rauf und runter. Es ist aber harmlos.
Immerhin spart man sich so den Weg durch den Trubel von Cortina und ein paar Höhenmeter.
Von der Passstraße zweigt bei der Ponte di Ru Bianco (1732 m) eine
kleine Straße zur Rif. Cinque Torri (2137 m) ab. Wie eine
Rampe zieht die Piste nach oben. Die Bäume werden dünner, Schatten hat es kaum.
Alexander ist bald davon gezogen. An der Rifugio treffe ich ihn wieder. Er
will Mittag essen. Da es draußen
aber überhaupt keine Sitzplätze gibt,
nehmen wir aber noch den Weg zur Rif. Scoiattoli (2230 m) auf uns.
Hoch über uns thronen die Cinque Torri,
während wir uns mit unseren Räder über den
groben Schotter kämpfen. Immer wieder muss ich neben das Bike, es ist einfach zu steil.
Die Rifugio ist eher ein großes Ausflugslokal. Kein Wunder führt doch ein Lift
hier hoch. Es ist mächitg was los. Etwas abseits um die Ecke sind zum Glück
ein paar schattige und verdammt zugige Plätze zu finden. Wir haben von dort direkten
Blick auf die Cinque Torri und erkennen erst jetzt die Dutzenden
von Kletterern, die daran kleben. Der Blick in die andere Richtung ist weniger schön.
In Richtung unseres nächsten Zieles, der Rif. Averau (2413 m), liegt
eine Schotter und Geröllwüste, Skigebiet eben. Trotz der Stärkung bleibt nichts anderes übrig,
als den groben, steilen Schotter hinaufzuschieben. Der Rundumblick ist nicht zu verachten,
aber die Landschaft vor unseren Füßen ist fürchterlich.
Kein Vergleich zur traumhaften Alternative über Rifugio Croda da Lago und
Forcela Ambrizzola, die ich
auch schon gefahren bin. Sehr beeindruckend ist die Lage der Rifugio Nuvolau, die wie ein
Adlerhorst hoch über uns auf einem Felsen hängt.
Oben an der Rif. Averau (2413 m) gibt es eine kurze Toilettenpause und ein paar Fotos. Das
Panorama ist trotz der Skiatmosphäre grandios.
Im Südosten sehen wir den Monte Pelmo, im Süden Civetta. Nach Norden erheben sich die
Tofanen.
Dann beginnt die Suche nach
dem recht bekannten Trail 441, dessen Einstieg wir aber nicht finden können. Vermutlich ging es
an der Liftstation noch ein paar Meter nach oben. Wir nehmen den einzigen sinnvoll erscheinenden
Weg ... die Skipiste hinunter. Auf gröbsten Geröll rutschen wir den fast senkrechten Hang hinunter,
bis rechts ein kleiner Trampelpfad abzweigt. Immer noch hoffend den Trail zu finden, gehe ich einige Meter zu Fuß
und sehe gar nicht weit weg den Weg entlangziehen. Prima. In 10 Minuten haben wir unsere Räder rüber
geschoben und beginnen mit dem Vergnügen. Sanft geht es immer gut fahrbar an der felsigen Flanke
des Averau entlang, später schlängelt er sich durch grüne Wiesen. Unweigerlich
geht der Blick dabei
auf die direkt vor uns liegende Marmolada und den verbliebenen Gletscherrest. Die letzten Meter
führt der Trail durch den Wald und geht etwas heftiger zur Sache über eine steile hohlwegartige schmale Traktorrinne mit
mächtigen Wacken. Dann stehen wir an der Falzarego-Passstraße (1780 m).
Nun hat meine Routenplanung die Strada la Vena vorgesehen und im Anschluss als Option den
Monte Fernazza und die Alleghe
Trails. Als Tagesziel hatte ich mir Falcade vorgestellt. Das erste
Problem dabei: ich kann meine Scans der Strada la Vena im Gepäck nicht finden. Mit der
Kompass-Karte würde es eher ein Suchspiel. Das zweite Problem: es ist bereits Nachmittag und das
Tagesziel ist auch ohne nette Schlenker noch eine Ecke entfernt. Etwas verweichlicht durch die Urlaubsetappen
der vergangenen Tage schmieden wir schnell einen neuen Plan: keine Strada la Vena, keine Alleghe
Trails, sondern die Straße runter. Schnell landen wir so in Caprile (1023 m). Hitze!
Bevor wir uns weiter durchschlagen, verdrückt Alex schnell mal ein Eis.
In Alleghe (978 m) muss dann auch bei mir etwas Nahrung rein. Es ist aber gar nicht so einfach, in den
Touristenmassen ein kleines ruhig Plätzchen zu finden. Ich bin erleichtert, als wir das hinter uns haben.
Die Straße nach Cencenighe Agordino (773 m)
ist stark befahren. Man kann aber dank des Gefälles gut mit dem Verkehr
mitschwimmen und die 10 km sind schnell verdrückt. Dann biegen wir ab in Richtung Falcade, noch gut
400 hm liegen vor uns. Zunächst gelingt es mir nicht, den Radweg am Bach ausfindig zu machen.
Erst in
Celat weißt ein Pfeil auf der Straße nach links, wieder 50 hm hinunter. Trotzdem weg von
der Straße. Leider kann ich mich nicht daran erinnern, dass der Radweg sich beim letzten Mal so gezogen hat. Alexander
merkt man bereits seine Unlust an. Obwohl
das Tal bereits einen etwas dämmrigen Eindruck macht,
erreichen wir Falcade (1145 m) aber noch sehr zeitig. Ich will unbedingt in die von Elmar empfohlene
Albergo Mulaz und steuere die Touriinfo an. Trotz der nun vorhandenen Wegbeschreibung
finden wir sie nicht direkt, doch am Ende wird alles gut: Wäsche waschen, duschen und essen.
Das Essen gibt es allerdings nicht im Mulaz direkt, sondern
in einer Pension ein paar Meter um die Ecke.











